Zitat

Mehr Wissen über strukturelle Ursachen

David Walch, Pressesprecher von Attac, einer internationalen Bewegung, die sich für eine demokratische und sozial gerechte Gestaltung der globalen Wirtschaft einsetzt, mit dem Ziel, ein gutes Leben für alle – heute und in Zukunft lebenden – Menschen zu erreichen.

Bringt Empörung Veränderung?

Ja, sicher. Unzufriedenheit muss artikuliert werden, um den Weg auf die Straße zu finden. Erst dann wird sie sichtbar und kommt an die Oberfläche. Selbst wenn noch keine konkreten Forderungen vorliegen, ist Empörung wertvoll. Allerdings ist Ärger allein zu wenig, um konstruktive Veränderungen zu erarbeiten.

In vielen Teilen Europas ist die Unzufriedenheit stärker spürbar als in Österreich. Geht’s uns zu gut?

Bei uns ist der Anteil der persönlich Betroffenen nicht so groß wie in anderen Ländern. Natürlich gibt es hier Menschen, die in Armut leben. Doch wenn man am Rand steht, fehlen oft Ressourcen, sich Gehör zu verschaffen. In Österreich herrscht eine Kultur der david_walchKonsensbereitschaft. Viele fühlen sich von der Politik nicht gut vertreten, aber das Ohnmachtsgefühl ist dennoch größer. Die Protestbewegungen, die aus dem sozialen Ungleichgewicht entstehen, bringen die Politik unter Druck. Zu beobachten ist eine verstärkte Suche nach Sündenböcken. Die Öffentlichkeit verträgt Debatten, die mit Inhalten gefüllt sind und hat genug von fadenscheinigen Erklärungen. Wir brauchen größere Solidarität und das Wissen um die strukturellen Ursachen der Krise: deregulierte Finanzmärkte, ungleiche Vermögensverteilung und Standortkonkurrenz. So wird z. B. der Zusammenhang zwischen der Bankenkrise und den Staatskrisen in Europa in den Medien selten hergestellt.

 

Veröffentlicht im Magazin “Welt der Frau”, Ausgabe 11/12,  Text: Maria Sigl, Fotos: Attac

 

Advertisements