I’m a survivor…

Vom (Über)Leben als SchriftstellerIn

Anna Weidenholzer, Milena Michiko Kloos, David Fuchs und Rudolf Habringer sprechen über ihre Leidenschaft – das Schreiben.

Was motiviert Menschen dazu, sich wochenlang zurück zu ziehen, zu sitzen und zu schreiben, den Text wieder und wieder zu überarbeiten? Was fertig oft so leicht und unbeschwert aussieht, ist oft mit Arbeit und Druck im Hintergrund verbunden. Wer denkt schon an Schreibblockaden oder finanzielle Engpässe, wenn man einer Autorin durch den Roman folgt und gespannt Seite für Seite liest?

Anna Weidenholzer lebt von ihrem Beruf als Schriftstellerin. Sie hat in den letzten Jahren viel veröffentlicht und wurde mit Preisen ausgezeichnet (u.a. Longlist Deutscher Buchpreis 2016, “Weshalb die Herren Seesterne tragen”). “Ich werde wohl immer schreiben, auch wenn ich nicht davon leben kann. Schreiben ist für mich keine Berufswahl, es ist meine ständige Begleiterin. Ich mache es nicht, damit ich etwas habe, von dem ich leben kann, sondern, weil es anders nicht geht. Es ist eine große Freiheit, schreiben zu können, was ich will, mich mit Dingen zu beschäftigen, die mich wirklich interessieren. Und ein kleines bisschen auch, weil ich an den meisten Tagen schlafen kann, so lange ich möchte.”

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Anna Weidenholzer // Foto: Otto Reiter

Langer Atem für die Korrekturen? “Ich mag die Überarbeitungsphase gern, weil der Text dann zu einem Großteil schon fertig ist und etwas vor mir liegt, an dem ich lange Zeit gearbeitet habe. Wenn es tatsächlich nicht mehr geht, höre ich auf und mache am nächsten Tag weiter. Und wenn keine Zeit mehr für den nächsten Tag ist, stellt sich die Frage nach der Motivation ohnehin nicht, da geht es dann sowieso.”

Was braucht man um als Schriftstellerin überleben zu können, Milena Michiko Flašar? „Als allererstes braucht man Freude daran, nach Möglichkeiten des (Über)lebens Ausschau zu halten. Die Schreiberei als ein Abenteuer zu begreifen und beharrlich auf dem Weg bleiben, sich mit KollegInnen auszutauschen, einander den Ball zu zuspielen. Ich bin gern Schriftstellerin, weil dieser Beruf – trotz seiner finanziellen Knappheiten – eine große Freiheit bedeutet: Hier kann ich gedanklich auf eine Art kreativ sein, wie ich es sonst nirgends könnte, mich einfühlen in Charaktere, indem ich ihnen Stimmen verleihe, ihre Geschichten erzählen, sowie sie sie mir “ins Ohr flüstern”. Das gibt mir ein großartiges Gefühl von Lebendigkeit und Verbundenheit.”

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Milena Michiko Flasar // Foto: Susanne Schleyer

Milenas letzter Roman “Ich nannte ihn Krawatte” wurde mehrmals übersetzt, Theater – und Hörspielbearbeitungen folgten. “Ich erhielt Preise, Stipendien und wurde eingeladen, an künstlerischen Projekten teilzunehmen. Trotzdem: Auf längere Sicht ist ein Überleben damit nicht gesichert. Ich bin nach wie vor auf die finanzielle Unterstützung meines Mannes angewiesen, auch weil ich seit der Geburt unseres Sohnes in “Babypause” bin. Insofern betrifft “Überleben” nicht mehr nur mich alleine, sondern schließt unsere Familie mit ein. Die Schriftstellerei ist hier mehr ein Zubrot, nicht das Brot selbst. “

David Fuchs gewinnt mit „Fingerfallen“ den FM4 Kurzgeschichtenwettbewerb Wortlaut 2016. Er überarbeitet gerade seinen ersten Roman. Überleben heißt für ihn – abgesehen von körperlichen und geistigen Basics – zu tun und zu sein wie man möchte. Seinen Beruf als Arzt mag Fuchs sehr, dennoch will er auch als Autor arbeiten. „Ich weiß nicht mehr, wie es war, gar nicht zu schreiben, also kann ich es mir auch kaum vorstellen.“

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David Fuchs // Foto: Daniela Fuchs

Für die Korrekturschleifen vor der Veröffentlichung kann sich David Fuchs leicht motivieren: „Ich bin ein planerischer Mensch, der Strukturen und Korrekturen mag. In der Phase entsteht sehr viel von dem, was dann am Ende der fertige Text ist. Allerdings starte ich gerade die Überarbeitung meines ersten Romans, also fragen Sie mich das vielleicht in ein paar Monaten noch einmal.“

 

 

Schreiben ist für mich, nachzudenken warum das Leben so funktioniert, wie es ist.” so Rudolf Habringer, “Schriftstellerei hat für mich viel mit Empathie zu tun, nach zufühlen wie Menschen ticken. Schreiben ist wie Leben – stetige Veränderung und Freude am Imperfekten.” Habringer lebt seit den 1990ern als freier Schriftsteller. “Abgesehen vom finanziellen Aspekt heißt “überleben” für mich, dass ich einem natürlichen Gestaltungswillen nachgehen kann und Zeit bleibt Beziehungen zu meinen Kindern, Freunden zu pflegen

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Rudolf Habringer // Foto: Volker Weihbold

. Ich genieße große Freiheiten, allerdings kann die Schriftstellerei auch sehr hart sein. Romane schreiben ist wie Marathon laufen. Manche Etappen gehen leicht, andere weniger. Änderungen und Verbesserungen sind immer möglich, damit muss man zurecht kommen.” Was, wenn die Schreiberei nicht geklappt hätte? “Ich wäre auch gern Musiker oder Schauspieler. Darum mag ich Lesungen sehr gern.”

Habringer aktueller Essayband „Das Unergründliche und das Banale“ ermöglicht Einblicke in seine Arbeitsweise.

 

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