Mein Blog ist kein Tagebuch // Bloggerinnen und Anonymität

Judith ist Familienbloggerin mit über 3.500 Fans auf Facebook. Auf www.stadtmama.at schreibt sie über ihr Leben mit 3 jungen Töchtern.

Außerdem möchte Judith die BloggerInnenszene besser vernetzen und organisiert Fortbildungen und Kooperationen. Dazwischen beantwortet sie mir noch ein paar Fragen:

Stadtmama
Bloggerin Judith List mit Baby // Foto: Judith List

Wie hat dein Blog begonnen?

Begonnen hab ich meinen Blog 2013. Ich war in der Social Media Branche beschäftigt und betreute viele Branchen-Blogs beruflich. Auf einer Fortbildung ist dann die Idee gewachsen, doch selbst einen Blog zu verfassen.

Inhaltlich habe ich mich mit Themen beschäftigt, die mich selbst interessierten: Handwerk, DIY-Projekte, Schwangerschaft und Leben mit Baby. 2015 nach unserem zweiten Kind begann ich wieder stundenweise zu arbeiten, zum Teil angestellt und zum Teil für meinen eigenen Blog.

Auf die Dauer war beides gleichzeitig nicht zu schaffen. Ich entschied mich für den Weg in die Selbstständigkeit, somit wurde mein Blog auch professioneller.

Wichtige Meilensteine waren klarerweise die Programmierung der Homepage, das Logo – ich ließ es professionell gestalten. Einen großen User-Zugewinn war durch die „Ausmist-Challenge“ möglich und die gezielte Nutzung von Pinterest.

Aktuell werden meine Artikel rund 80-90.000 Mal pro Monat geklickt. Mehr als 3.500 Fans folgen mir auf Facebook, 2.600 auf Instagram und involvieren sich täglich mit Begeisterung in der Community.

Wie viel Privates findet man heute auf deinem Blog?

Für mich steht im Vordergrund, wie hilfreich die Beiträge für andere Familien sind. Ich habe mit der Ausbildung zur Familienbegleiterin begonnen. Jetzt beschäftige ich mich noch intensiver mit Tipps und Methoden für einen guten Familienalltag. Ich erzähle von Beispielen, die bei uns funktionieren bzw. von Herausforderungen, die wir lösen möchten. Ich schreibe nichts, dass ich nicht in der Spielgruppe oder am Spielplatz sagen würde. Also nichts Abwertendes oder Geringschätzendes. Ich stelle mir vor, was ich in ein Buch oder einen Ratgeber schreiben würde und wäge dann von Fall zu Fall ab.

Auf den Fotos sind meine Kinder meist nicht erkennbar und ohne Namen – Ausnahmen bestätigen die Regel. Ihre Identität trägt nicht zum Funktionieren des Blogs bei. Die Authentizität entsteht für die LeserInnen durch das Bild- und Textmaterial. Allerdings wachsen unsere Kinder ganz anders mit Social Media auf als meine Generation und ihr Umgang damit wird sicher ein anderer sein, als meiner jetzt.

Basteln mit Stadtmama
DIY Projekt // Stadtmama, Foto: Judith List

Hast du Angst vorm dem Verlust von Privatsphäre?

Nein, ich steure selbst, was ich zeige. Ich glaube, genug Profi zu sein, um nicht für ein paar kurzfristige Likes wichtige Werte zu verkaufen. Grundsätzlich überlege ich genau, was ich veröffentlichen will und wie ich meine Botschaft darstelle. Meiner Meinung nach, geben private User viel mehr von sich Preis. Sie gestalten ihre Beiträge wahrscheinlich großteils für Familie und Freunde. Dabei bedenken sie oft nicht, dass durchaus auch Fremde Zugang haben können.

Wie erklärst du deinen Kindern deine Arbeit?

Meine Kinder wachsen mit dem Blog auf und haben eine gute Vorstellung, von dem, was die Arbeit rund herum bedeutet, zumindest die Ältere. Fotos vor dem Auspacken, Schreiben am Computer… Sie posieren nicht für Fotos, daher fühlen sie sich nicht gestört.

Wie wählst du Kooperationen aus?

Zum Einen habe ich gar nicht so viele, zum Anderen bekommt man ein gutes Gefühl dafür, was passt und was nicht. Natürlich ist es am Besten, wenn man die Empfehlungen aus gutem Gefühl aussprechen kann. Wenn ich vorab bedenken habe, kläre ich diese ab und wenn es nichts für uns ist, dann lass ich es. Manchmal entpuppt sich ein Produkt erst beim Test als ungeeignet. Naja, ich bin dann aus der Kooperation wieder ausgestiegen. Es handelte sich um eine App für Kinder, Technik und Methodik funktionierten für uns nicht. Da ist es für alle Seiten besser, man lässt es bleiben. So verdrehen will ich mich nicht.

Wie suchst du die Themen für den Blog aus?

Großteils intuitiv. Nach eigenem Interesse, aktuellen Herausforderungen in der Familie und beeinflusst durch meine Ausbildung. Oft bekomme ich Anfragen zu einem bestimmten Thema, dem ich mich dann ausführlicher widme. Grundsätzlich bemühe ich mich einen Reaktionsplan zu erstellen um auf saisonale Schwerpunkte einzugehen. Derzeit – mit neuen Baby – ist das eher schwierig und die Beiträge entstehen spontaner.

Betreibst du Kooperationen mit anderen BloggerInnen?

Teils, teils. Die „Aufräum-Challenge“ war ein Kooperationsprojekt mit Birgit von „Fräulein im Glück“ und hat gute Reichweite gebracht. Im Team bekommt jeder mehr Impulse und Feedback, das schätze ich sehr. Ein gutes Netzwerk ist für Menschen im Home-Office sehr wichtig, sonst wird man zur kompletten EinzelkämpferIn. Mir ist sehr wichtig, dass ich mit meinen PartnerInnen einen ähnlichen Arbeitsstil verfolge. Um das BloggerInnen-Netzwerk zu professionalisieren habe ich mit anderen www.familienblogs.at gegründet.

Gemeinsam mit Daniela Gaigg (www.diekleinebotin.at) organisiere ich eine BloggerInnen-Konferenz im Mai, Weiterbildung für alle interessierten BloggerInnen – auch ohne Familie! Themenübersicht gibt’s hier: www.bloglaut.at

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