Ein Hobby kann die Welt verändern

Wenn Mann und Frau die Seiten tauschen und sich abseits vom traditionellen Rollenbild bewegen, profitieren alle davon. Den enormen Einfluss auf die Gesellschaft bestätigt   Dr.in Ilona Horwath vom Institut für Frauen- und Geschlechterforschung an der Universität Linz.

Gibt es whorvatheniger Männer, die ihre Freizeit mit »weiblichen Hobbys« verbringen?
Da es fast keine verlässlichen Daten dazu gibt, kann man das so nicht feststellen. Was wir aus empirischen Untersuchungen im Berufsleben wissen, ist, dass typisch männliche Berufsfelder mit höherem Status und Prestige verknüpft werden. Bei Männern in Frauendomänen steht die Männlichkeit auf dem Prüfstand. Sie werden jedoch öfter befördert. Offene Abwertung von Frauen in Männerdomänen ist selten,
großes Thema in der Berufswelt ist die Kompetenzerwartung. Erfolgreichen
Frauen wird oft die Weiblichkeit »aberkannt «.
Sind wir nach jahrzehntelangen Gleichstellungsdiskussionen noch nicht weitergekommen?
Rollenklischees sind tief in unserem Denken verankert, wir brauchen Zeit,
um das zu ändern. Gesetzliche Regelungen für geschlechtergerechteren Umgang
für Männer und Frauen gibt es bereits. Das öffentliche Bewusstsein, das von den Medien geprägt wird, ist wesentlich: Menschen, die sich außerhalb des Rollenbildes bewegen,
müssen nicht als Exoten, sondern als Teil der Normalität dar gestellt werden. Wir brauchen ein Umfeld, das bestärkt und fördert. Weiters ist es hilfreich, wenn andere Männer und Frauen bereits etabliert sind. Gibt es z. B. bereits Frauen in der Feuerwehr,
folgen Interessierte schneller nach. Der Domänenwechsel fällt also leichter, wenn er nicht mehr auffällt, sondern jeder seinen Interessen nachgeht. Unabhängig von Erwartungshaltungen.

Veröffentlicht im Magazin “Welt der Frau”, November 2011 – Text: Maria Sigl, Foto: Dr.in Ilona Horwath

 

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»Zumba, nicht Aerobic!«

Zumba-Fan, Christian Fröhlich, 35 Jahre, Prokurist

Schon von der Ferne hört man die aktuellen Hits, der Rhythmus passt: eine Gruppe aus sechs Frauen und zwei Männern im Zumba-Kurs. Zumba ist eine Mischung aus Aerobic und lateinamerikanischen Tänzen, hier steht die Freude an der Bewegung und der Musik im Mittelpunkt.

Christian Fröhlich: »Für mich war ein sportlicher Ausgleich neben dem Beruf wichtig. Ich bin/war begeisterter Fußballer, aber zeitlich ist das regelmäßige Training einfach schwierig. Zumba macht großen Spaß, richtig zum Auspowern, mit geringer Verletzungsgefahr. Ich mag die Musik, die Schrittfolge ist nicht so streng. Es ‚arbeitet‘ jeder für sich alleine und wenn man einen Fehler macht, stört das niemanden.«

Warum gibt’s wenig Männer bei Zumba?

„Frauen achten mehr auf ihren Körper und ihr Gewicht, vielleicht besteht da ein Zusammenhang. Männer begeistern sich mehr für Teamsport, da gibt’s Sieger und Verlierer. Hier konzentriert sich jeder auf sich selbst, darum ist es nicht so relevant, wie viele Männer oder Frauen mitmachen.“

Veröffentlicht im Magazin „Welt der Frau“, November 2011 – Text: Maria Sigl,  Foto: Mona Lorenz

»Im Schritt Marsch!«

Stabführerin Flora Stübl, 17 Jahre, Schülerin, HTL für Mechatronik

»Ich mach, was mir Spaß macht und was mich interessiert!« Flora Stübl wurde mit 14 Jahren Stabführerin des Musikvereins Leonstein. Damals – vor drei Jahren – war sie die jüngste in Oberösterreich. Nach absolvierter Ausbildung führt sie seither, abwechselnd mit ihrem Kameraden, die Kapelle an, gibt Takt und Marschrichtung vor. »Am Anfang war ich schon nervös, aber die Musikkapelle ist hinter mir gestanden. Eine besondere Herausforderung war die erste Beurteilung bei der Bezirksmarschwertung. Durch die gute Vorbereitung und die gegenseitige Unterstützung der Musikkameraden haben wir sehr gut abgeschnitten. Aufgefallen sind wir sicher, denn so oft hat die Jury Stabführerinnen noch nicht gesehen.«

Wie wärʼs mit Männern als Marketender? »Das wär schon cool, aber wahrscheinlich schlecht fürs Geschäft beim Schnapsverkaufen!«

Veröffentlicht im Magazin „Welt der Frau“, November 2011 – Text: Maria Sigl, Foto: Mona Lorenz

»Die Beziehung zu meinen Kindern ist reicher.«

Vater in der Krabbelgruppe, Dr. Helmut Janout, 53 Jahre, praktischer Arzt

 »Ich war vor einem bzw. zwei Jahren mit meinen beiden jüngeren Kindern jeweils regelmäßig in der Krabbelgruppe. Mit den Öffnungszeiten meiner Ordination konnte ich das so vereinbaren, dass ich vormittags Zeit hatte. Ein Vorteil gegenüber berufstätigen Vätern.

Zu Beginn war das Reimen und Singen mit den Kindern neu. Man lernt verschiedenste Lieder, Kniereiter – davon profitiert man lange. Abgesehen davon war der Austausch mit den anderen Eltern, meistens Müttern, wertvoll. Durch die regelmäßige Teilnahme wurde das Verhältnis zu meinen Kindern noch enger, das spüren wir jetzt auch.

Die Kinder sind weniger auf ihre Mutter fixiert.

Ich bin sehr froh über die Besuche in der Krabbelgruppe, die Beziehung zu meinen Kindern ist um eine Facette reicher geworden und eine intensivere Vertrautheit ist gewachsen.«

Veröffentlicht im Magazin „Welt der Frau“, November 2011 – Text: Maria Sigl, Foto: Mona Lorenz

»Mach ich nicht, gibt’s nicht!«

Feuerwehrkommandantin Monika Leidinger, 50 Jahre, Hausfrau, Gattin eines Unternehmers

Schon als Mädchen wollte Monika Leidinger gern zur Feuerwehr, damals undenkbar. Doch es kam zur unerwarteten zweiten Chance. Als immer mehr Mädchen, unter anderem die eigene Tochter, zur Feuerwehrjugend in Taufkirchen an der Trattnach kommen wollten, suchte man eine Betreuerin. Frau Leidinger erklärte sich dazu bereit. »Als Quereinsteigerin hab ich die Grundausbildung gemacht. Natürlich war alles neu, die anderen waren zum Großteil im Alter meiner Kinder, außerdem musste ich wieder lernen – alles in allem eine sehr positive Umstellung.« Nach sechs Jahren als engagierte Feuerwehrfrau wird Monika Leidinger zur stellvertretenden Kommandantin gewählt, kurz danach muss der Kommandant unfallbedingt abtreten und Frau Leidinger wird Kommandantin, zuerst provisorisch, dann – bei der nächsten Wahl – in ihrem Amt bestätigt: »Frauen in der Feuerwehr, vor allem in der Feuerwehrjugend, sind mittlerweile weit verbreitet. Die Mädchen und Frauen sind sehr engagiert, ehrgeizig. Das motiviert die Männer noch zusätzlich. Allerdings gibt es noch immer Feuerwehren, die keine Frauen dabei haben. Bei uns arbeiten alle gut zusammen. Natürlich kann nicht jeder alles machen, aber ich kenne meine Mannschaft und es gibt immer genug zu tun, wo körperliche Kraft keine Rolle spielt. Die Frauen sind überall mit vollem Einsatz dabei: ‚Mach ich nicht‘ gibt’s nicht.«

Veröffentlicht im Magazin „Welt der Frau“, November 2011 – Text: Maria Sigl, Foto: Mona Lorenz

»Juchizen, stampfen und laut sein!«

Schuhplattlerinnen Claudia Reslhuber, 25 Jahre, gerade abgeschlossenes Pädagogik- und Psychologiestudium, und Konstanze Illecker, 22 Jahre, Kindergartenpädagogin

Ein Sprung ins kalte Wasser war es für Claudia Reslhuber, als sie mit elf Freundinnen die »Gaudiwadlʼn« – eine Schuhplattlergruppe nur für Frauen – gründete. Eine Ahnung vom Schuhplatteln hatten sie zu Beginn nicht, nur die fixe Idee, dass sie schuhplatteln werden. »Wir engagierten die Burschen von den Guaddraufplattlern, die routinierte Gruppe im Ort, dass sie uns die Grundschritte und Figuren lernen«, erzählt die Obfrau Claudia Reslhuber. Nach einigen Übungsstunden wurden die Frauen vom Ehrgeiz gepackt. Im März 2010 folgte der erste Auftritt, vier Monate nach der Vereinsgründung. »Wir wollen die Männer nicht kopieren, sondern unseren eigenen Stil entwickeln. Daher kombinieren wir traditionelle Figuren mit modernen Schritten. Wir müssen wirklich gut sein, um ernst genommen zu werden«, so Freundin und Tanzkollegin Konstanze Illecker. Das Publikum ist begeistert von den Mädels. Aus den Auftritten ziehen die Frauen der »Gaudiwadlʼn« große Bestätigung. »Viele von uns sind in sozialen Berufen tätig, da ist es oft nötig, ruhig zu bleiben und sich selbst in den Hintergrund zu stellen. So gesehen, ist das Schuhplatteln ein perfekter Ausgleich. Da musst du fest stampfen, juchizen und laut sein, was gerade am Anfang eine Überwindung war. Man muss sich nur trauen, es lohnt sich!«, sind sich Claudia und Konstanze einig.

Der Unterschied zu den Männern? »Wir Frauen sind ehrgeiziger, aber denken viel mehr nach über das, was wir machen. Die Männer tunʼs einfach.«

Veröffentlicht im Magazin „Welt der Frau“, November 2011 – Text: Maria Sigl, Foto: Mona Lorenz