„Die Vielfalt der Stadt mag ich“

Das sind wir

  • Ulrike und Bernhard, eine Tochter, zwei Jahre alt
  • Wohnung mit Gemeinschaftsgarten, Stadt Salzburg
  • Ulrike arbeitet selbstständig als Lektorin, Bernhard pendelt seit Kurzem für drei bis fünf Tage in der Woche nach Innsbruck .

So wohnen wir

Wir sind durch den Job meines Mannes in Salzburg gelandet. Zuerst war ich etwas skeptisch, da ich die Stadt nur als touristisches Museumsstädtchen kannte. Mittlerweile gefällt’s mir hier sehr gut. Ich genieße die Nähe zur Natur und wohne trotzdem in der Stadt.

Wir leben in einer Wohnung mit Gemeinschaftsgarten. Bei uns im Haus herrscht keine großstädtische Anonymität. Anfangs war ich über die rasche Einbindung in die Hausgemeinschaft überrascht. Es wohnen einige junge Familien hier, mit denen wir engen Kontakt pflegen, wir besuchen uns und treffen uns auf dem Spielplatz.

Standortfrage

Die Nähe zum Grünen ist für uns sehr wichtig, mein Mann ist auf dem Land aufgewachsen. Er vermisst das Ländliche manchmal und nennt mich „Betonkind“. Ich selbst komme aus Weimar und hab in Leipzig studiert. Ich kann mir ein Leben ohne städtische Infrastruktur nicht vorstellen. Obwohl ich viele schöne Erinnerungen an die Ferien bei Oma auf dem Land habe. Ich mag die Vielfalt in der Stadt, ich kann viel zu Fuß, mit dem Rad und mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen. Andererseits wäre mir eine richtig große Stadt, wie zum Beispiel Berlin, als Lebensmittelpunkt zu dicht. Da sind die Wege so lang, die Natur in der Nähe würde ich vermissen.

Uns ist wichtig, dass unsere Tochter ihre Umgebung bewusst wahrnimmt. Da gehört das Kennenlernen der Natur genauso dazu wie die Sehenswürdigkeiten in der Stadt.

Kinderbetreuung

Unsere beiden Eltern fallen aufgrund der räumlichen Distanz für kurzfristige Babysitterdienste aus. Die Eltern meines Mannes wohnen am nächsten, eine Stunde Fahrzeit mit dem Auto entfernt. Seit Kurzem besucht Ida die Krabbelstube, einen Babysitter haben wir bis jetzt noch nie in Anspruch genommen.

 

Infrastruktur

Geschäfte und Krabbelstube befinden sich in Gehnähe. Kinderbetreuungsplätze sind begehrt, Angebote und Kosten sehr unterschiedlich. Die Möglichkeiten für die Freizeitgestaltung, auch von Babys und Kleinkindern, sind sehr vielfältig. Ich habe mich, als Ida ein Jahr alt war, für eine Spielgruppe am anderen Ende der Stadt entschieden, weil mir das pädagogische Konzept dort gefallen hat. Wir wählen die Angebote sehr sorgfältig aus, denn eine Zweijährige braucht keinen Freizeitstress.

Pendeln?

Ich arbeite von zu Hause aus.

Veröffentlicht im Magazin “Welt der Frau”, Ausgabe 02/14,  Text: Maria Sigl, Foto:  Nicola Hackl-Haslinger

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„Ich brauch die optische Ruhe“

Das sind wir

  • Kerstin und Marco, eine Tochter, drei Jahre alt
  • Grafiker, eigene Werbeagentur in Eferding (OÖ)
  • Wohnung mit eigenem Garten in einem 5.000-EinwohnerInnen-Dorf nahe Eferding

So wohnen wir

Wir leben in einem kleinen Dorf in der Nähe von Eferding in einer Wohnung mit eigenem Garten, der Spielplatz, der zum Haus gehört, ist direkt neben uns.

Standortfrage

Die letzten Jahre haben wir in verschiedenen Städten gelebt. Das war schön, allerdings war für uns klar, dass wir wieder aufs Land zurückkehren. Die Geburt unserer Tochter bestimmte dann den Zeitrahmen. Unsere Stadtwohnung wurde zu klein und wir brauchten etwas Neues. Zufällig haben wir dann eine Wohnung mit Garten in der Nähe von Eferding gefunden. Statt auf den nächsten Häuserblock sehen wir durchs Fenster auf ein Maisfeld. Vergleichbares wäre in Linz wahrscheinlich nicht auffindbar bzw. unfinanzierbar gewesen.

Unser Ziel ist ein Haus auf dem Land. Wir genießen den Raum für Leere, die Flächen ohne Häuser, die optische Ruhe.

Kinderbetreuung

Hier gibt es sogar zwei verschiedene Kindergärten und Pflichtschulen – bei einem Ort dieser Größe ist das ungewöhnlich. Die Betreuungsplätze für Kleinkinder sind knapp, man muss sich rechtzeitig anmelden.

Die Babysitterin haben wir durch den Kindergarten gefunden und sie wohnt in der Nachbarschaft. Mein Bruder lebt mit seiner Familie hier im Ort und unsere beiden Eltern sind in 20 Minuten mit dem Auto da. Es ist schön, dass wir auf ein gutes Betreuungsnetz zurückgreifen können.

Infrastruktur

Ortszentrum und Kindergarten sind zu Fuß leicht erreichbar. Auf ein zweites Auto möchten wir trotzdem nicht verzichten, denn die öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen ist mühsam.

Natürlich sind die Wahlmöglichkeiten eingeschränkt, es gibt nur eine Spielgruppe, und wenn man die nicht mag, hat man Pech gehabt. Ich kann hier nicht aus fünf YogalehrerInnen auswählen. Aber das ist einfach so, das weiß man ja. Dafür ist es persönlicher. Konzert- oder Museumsbesuche planen wir ohnehin, das war schon so, als wir noch in Linz gelebt haben.

Pendeln?

Wir haben unser Büro von Linz nach Eferding übersiedelt. Das erleichtert uns das Leben, weil wir keine klassischen Pendler sind. Viele, die hier leben, stehen jeden Tag im Stau auf dem Weg in die umliegenden Städte. Wir wohnen gern auf dem Land, also arbeiten wir hier. Diese Freiheit genießen wir sehr.

 

Veröffentlicht im Magazin “Welt der Frau”, Ausgabe 02/14,  Text: Maria Sigl, Foto:  Nicola Hackl-Haslinger